Hologramme und die Zukunft der Zeitzeugenschaft

Das Programm für das Barcamp YOUR HISTORY entsteht am 30.11. und 1.12.2018 direkt vor Ort. Einige Teilnehmende haben erste Ideen für das Programm schon hier in diese Tabelle eingetragen. Wir freuen uns über weitere Vorschläge! In der Tabelle findet ihr auch eine Idee von Steffen Jost.
Er arbeitet an der Gedenkstätte Dachau und möchte mit euch über
Virtual Reality und Hologramme als Medium der Geschichtsvermittlung“ reden. Hier beschreibt er kurz, welche spannenden Erfahrungen er dazu vor Kurzem in Illinois (USA) gesammelt hat:

Digitalthemen spielen auch an KZ-Gedenkstätten und in der Holocaust Education eine immer größere Rolle. In den letzten Jahren hat vor allem ein Thema immer wieder für Diskussionen gesorgt, nämlich die Übertragung von Überlebenden des Holocaust in ein Hologramm. Was bis vor kurzem noch nach Science-Fiction-Filmen klang, ist inzwischen ohne weiteres umsetzbar und erste Versionen solcher Hologramme werden öffentlich präsentiert.

Ich war Ende Oktober 2018 im Illinois Holocaust Museum and Educational Center, wo seit gut einem Jahr sieben Überlebende ihre Geschichte in Form eines interaktiven 3D-Hologramms erzählen. Ich konnte dort die Geschichte von Fritzie Fritzshall kennenlernen, die 1929 in der Tschechoslowakei geboren wurde und das Konzentrationslager Auschwitz überlebte. Für das Hologramm verbrachte sie fünf Tage in einem Aufnahmestudio in LA, wo sie von über 50 Kameras aufgenommen wurde und man ihr etwa 2000 Fragen zu ihrem Leben stellte. Aus ihren Antworten sind 22 Stunden Material entstanden, die die Grundlage für die Präsentation in Chicago bilden. Die Besucher*innen nehmen dort in einem Kinosaal Platz und die Überlebenden werden auf einem Stuhl sitzend auf eine Bühne projiziert. Die technische Ausstattung ist dabei deutlich erkennbar und es wird nicht versucht, zu simulieren, dass die Überlebenden in Persona dort sitzen würde. Dennoch haben nach Auskunft der Vermittler*innen vor Ort gerade sehr junge und ältere Besucher*innen immer wieder Probleme dies komplett zu verstehen und halten z.B. die Präsentation für ein echtes Gespräch, ähnlich eines Videotelefonats.

Neben der Projektionstechnik beruht das System auf einer Spracherkennungssoftware, die auf Grundlage der 22 Stunden Interviewmaterial versucht, die beste Antwort auf die Fragen des Publikums zu geben. Aufgrund verschiedener technischer und didaktischer Überlegungen ist aktuell allerdings noch ein*e Moderator*in dazwischengeschaltet, der bzw. die die Fragen dann in der richtigen Formulierung weitergibt.

Beim Barcamp YOUR HISTORY möchte ich in einer Session etwas ausführlicher über meine Erfahrungen sprechen und auch ein paar Videobeispiele zeigen. Gemeinsam mit allen Teilnehmer*innen möchte ich anschließend über die Chancen und Grenzen digitaler Vermittlungsmethoden diskutieren.

Steffen Jost
Steffen Jost leitet seit dem 1.10.2018 die Bildungsabteilung der Gedenkstätte Dachau. Zuvor hat er im evz-Programm „Migration und Erinnerungskultur“ den Kurs „Diversität, Erinnerung, Geschichte – Ausbildung von Multiplikator*innen für eine heterogene Gesellschaft“ am Max Mannheimer Studienzentrum mitentwickelt und umgesetzt.