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Podcast als Methode der Erinnerung

Im Rahmen der Multiplikator*innenfortbildung für politische Bildner*innen setzen wir – die Teilnehmenden der Fortbildung und das Team des August Bebel Instituts – uns intensiv mit Völkermorden im 20. Jahrhundert auseinander: Der Holocaust und der Völkermord an den Sinti*ze und Rom*nja während des Nationalsozialismus, die diesen vorausgehenden Genozide an den Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia, sowie der Völkermord an den Armenier*innen im Osmanischen Reich waren Thema des Fortbildungsprogramms. Um einer einseitigen Geschichtsschreibung zu entgegnen, lag der inhaltliche Schwerpunkt vor allem auf Widerstandsperspektiven und Erfahrungen und Erzählungen von Nachfahr*innen Betroffener. Neben dem inhaltlichen und methodischen Erkenntnisgewinn bestand ein großes Ziel der Fortbildung darin, dass wir ein eigenes Format der politischen Bildung entwickeln, um die neu gewonnenen Kenntnisse unmittelbar zur Anwendung zu bringen. Der Weg dorthin wurde durch ein umfangreiches Potpourri aus Workshops, Besuchen in Gedenkstätten und wöchentlichen Reflexionssitzungen begleitet.

Schnell stand fest, dass wir eine Podcast-Reihe zum Thema Genozide im 20. Jahrhundert entwickeln wollen. Nicht nur weil es sich dabei um ein populäres Medium handelt, sondern auch, weil sich das digitale Format hervorragend dafür eignet die Inhalte der Fortbildung auch nachhaltig anderen Interessierten zugänglich zu machen. Was auf diese Entscheidung folgte, war ein intensiver Lernprozess, der uns zunächst mit einigen grundlegenden Fragen konfrontierte: Wen möchten wir überhaupt mit dem Format Podcast erreichen? Aus welcher Perspektive sprechen wir? Welche Perspektiven möchten wir darüber hinaus einbeziehen? Wie gehen wir mit der Angst um, etwas „falsches“ zu sagen? Nach vielen zum Teil hitzigen, aber fruchtbaren Diskussionsrunden ging es schließlich an die Produktion, die abermals viele Fragen hervorbrachte: Welche Technik benötigen wir? Welches Programm eignet sich zum Schneiden der Aufnahmen? Wie und wo wollen wir den Podcast verbreiten? Wann wollen wir online gehen?

Auf dem BarCamp möchten wir gerne im Rahmen einer Session unsere Erfahrungen und Lernprozesse zum Thema „Podcast als Methode der Erinnerung“ mit euch teilen. Selbstverständlich bekommt ihr auch eine kleine Kostprobe zu hören. Wir wollen mit euch über die Herausforderungen diskutieren, denen wir während der Produktion begegnet sind und dabei verstärkt auf die Frage der eigenen Positionierung eingehen – ein Thema, dass uns von Anfang bis Ende begleitet hat. Nicht zuletzt möchten wir mit euch über die Chancen sprechen, die das Format Podcast mit sich bringt.

Wir freuen uns schon die Fortbildung mit dem BarCamp ausklingen zu lassen und gemeinsam mit euch Inspiration für neue Projekte zu sammeln.

Wendy König & Elena von Ohlen (August Bebel Institut)

Hologramme und die Zukunft der Zeitzeugenschaft

Das Programm für das Barcamp YOUR HISTORY entsteht am 30.11. und 1.12.2018 direkt vor Ort. Einige Teilnehmende haben erste Ideen für das Programm schon hier in diese Tabelle eingetragen. Wir freuen uns über weitere Vorschläge! In der Tabelle findet ihr auch eine Idee von Steffen Jost.
Er arbeitet an der Gedenkstätte Dachau und möchte mit euch über
Virtual Reality und Hologramme als Medium der Geschichtsvermittlung“ reden. Hier beschreibt er kurz, welche spannenden Erfahrungen er dazu vor Kurzem in Illinois (USA) gesammelt hat:

Digitalthemen spielen auch an KZ-Gedenkstätten und in der Holocaust Education eine immer größere Rolle. In den letzten Jahren hat vor allem ein Thema immer wieder für Diskussionen gesorgt, nämlich die Übertragung von Überlebenden des Holocaust in ein Hologramm. Was bis vor kurzem noch nach Science-Fiction-Filmen klang, ist inzwischen ohne weiteres umsetzbar und erste Versionen solcher Hologramme werden öffentlich präsentiert.

Ich war Ende Oktober 2018 im Illinois Holocaust Museum and Educational Center, wo seit gut einem Jahr sieben Überlebende ihre Geschichte in Form eines interaktiven 3D-Hologramms erzählen. Ich konnte dort die Geschichte von Fritzie Fritzshall kennenlernen, die 1929 in der Tschechoslowakei geboren wurde und das Konzentrationslager Auschwitz überlebte. Für das Hologramm verbrachte sie fünf Tage in einem Aufnahmestudio in LA, wo sie von über 50 Kameras aufgenommen wurde und man ihr etwa 2000 Fragen zu ihrem Leben stellte. Aus ihren Antworten sind 22 Stunden Material entstanden, die die Grundlage für die Präsentation in Chicago bilden. Die Besucher*innen nehmen dort in einem Kinosaal Platz und die Überlebenden werden auf einem Stuhl sitzend auf eine Bühne projiziert. Die technische Ausstattung ist dabei deutlich erkennbar und es wird nicht versucht, zu simulieren, dass die Überlebenden in Persona dort sitzen würde. Dennoch haben nach Auskunft der Vermittler*innen vor Ort gerade sehr junge und ältere Besucher*innen immer wieder Probleme dies komplett zu verstehen und halten z.B. die Präsentation für ein echtes Gespräch, ähnlich eines Videotelefonats.

Neben der Projektionstechnik beruht das System auf einer Spracherkennungssoftware, die auf Grundlage der 22 Stunden Interviewmaterial versucht, die beste Antwort auf die Fragen des Publikums zu geben. Aufgrund verschiedener technischer und didaktischer Überlegungen ist aktuell allerdings noch ein*e Moderator*in dazwischengeschaltet, der bzw. die die Fragen dann in der richtigen Formulierung weitergibt.

Beim Barcamp YOUR HISTORY möchte ich in einer Session etwas ausführlicher über meine Erfahrungen sprechen und auch ein paar Videobeispiele zeigen. Gemeinsam mit allen Teilnehmer*innen möchte ich anschließend über die Chancen und Grenzen digitaler Vermittlungsmethoden diskutieren.

Steffen Jost
Steffen Jost leitet seit dem 1.10.2018 die Bildungsabteilung der Gedenkstätte Dachau. Zuvor hat er im evz-Programm „Migration und Erinnerungskultur“ den Kurs „Diversität, Erinnerung, Geschichte – Ausbildung von Multiplikator*innen für eine heterogene Gesellschaft“ am Max Mannheimer Studienzentrum mitentwickelt und umgesetzt.

Oldenburg neu entdecken. In Berlin!

Wer steckt eigentlich hinter dem Barcamp YOUR HSTORY? Und auf welche Sessions, Beiträge und Gesprächspartner*innen könnt ihr euch jetzt schon freuen? Hier stellt sich einer der Partner, Werkstattfilm aus Oldenburg, mit seinem Projekt „Migration und Erinnerungskultur: Lokale Geschichte entdecken“ vor:

Seit jeher gehören sowohl die Erforschung und Vermittlung lokaler Geschichte als auch die Auseinandersetzung mit Themen wie Flucht und Migration zu den wichtigsten Tätigkeitsfeldern des Vereins Werkstattfilm aus Oldenburg. Exemplarisch dafür stehen etwa die überregional bedeutsamen Sammlungen von Zeitzeugeninterviews und historischen Fotos. Dem Förderprogramm Migration und Erinnerungskultur der Stiftung EVZ fühlten wir uns deswegen sofort verbunden. Nach erfolgreicher Bewerbung startete Mitte 2017 das Projekt Lokale Geschichte entdecken. Die Besonderheit: Viele der zehn Projektteilnehmenden haben eigene Erfahrungen mit Flucht oder Migration gemacht und bisher wenig Zugang zur Erinnerungskultur in Deutschland gehabt. Das Förderprogramm will diese Menschen aktiv in die historische Bildung einbeziehen und ihnen Teilhabe ermöglichen. Menschen mit Migrations- bzw. Fluchterfahrungen sollen gestärkt werden, sich gemeinsam mit Menschen, die in Deutschland geboren sind, im Bereich der historisch-politischen Bildung zu engagieren und insbesondere ihre Perspektiven auf die Geschichte des Nationalsozialismus einzubringen.

Mehr als ein Jahr lang studierten die Teilnehmenden Bücher, Akten sowie Film- und Fotomaterial, um sich über die Zeit des Nationalsozialismus in Oldenburg zu informieren. Inhaltlich wurden dabei verschiedene Aspekte der Zeit des Nationalsozialismus in Oldenburg behandelt. Konkret geht es um die Geschichte(n) jüdischer Bürger*innen und Oldenburger Sinti, die Geschichte der Zwangsarbeit in Oldenburg sowie um das alltägliche Leben während der NS-Zeit. Gemeinsam wurde eine mobile Ausstellung konzipiert, die zukünftig in Oldenburger Bildungseinrichtungen sowie Betrieben präsentiert wird.

Zum Abschluss des Projekts reist die Gruppe nun gemeinsam nach Berlin, um sich dort im Rahmen des Barcamps YOUR HISTORY mit anderen Projektgruppen zu vernetzen, sich über Erfahrungen während des Projekts auszutauschen und über die Ergebnisse zu berichten. Darüber hinaus bietet das Barcamp auch die Möglichkeit, Ideen für zukünftige Projekte zu sammeln und entsprechende Planungen voranzutreiben. Sprecht uns auf dem Barcamp an, wir freuen uns auf euch!

Michael Lürßen und Jendrik Punke, Werkstattfilm Oldenburg

Vor dem Barcamp: Wir packen aus!

Ja ist denn schon Weihnachten? In den letzten Tagen sind in der Stiftung EVZ gleich mehrere Pakete angekommen und so viel sei verraten… das alles ist für Euch, die Teilnehmer*innen des Barcamps YOUR HISTORY.

Wir von der Stiftung EVZ und der KOOPERATIVE BERLIN möchten uns hiermit bereits zu Beginn des Barcamps für Euer Interesse, Eure Teilnahme und für Eure Ideen bedanken und Ihr dürft gespannt sein, was sich in Euren Goodie-Bags versteckt.

Als zwei Institutionen, die Wert auf Umweltfreundlichkeit und faire Arbeitsbedingungen legen, waren wir bereits seit Anfang Juli mit der Suche nach den passenden Give-Aways, die diese Kriterien erfüllen, beschäftigt und hoffen sehr, Euch damit eine Freude machen zu können!

Bis bald und immer dran denken: Mit dem Geschenkekauf kann man nie zu früh beginnen! Wir sind dann mal Pakete aus- und Goodie-Bags einpacken …